Magische Pfade

Manchmal ist es nicht nur ein Ort, der magisch ist, sondern ganz in dem Sinne von "der Weg ist das Ziel", findet man links und rechts am Wegesrand ein Highlight nach dem anderen, dass daraus ein ganzer "Magischer Pfad" wird. Mit der Zeit werde ich hier weitere Pfade ergänzen. Den Anfang machen der abwechslungsreiche Rundweg an den Westhängen der Lahnberge in Marburg und das Martinsbachtal in Biedenkopf. 


Martinsbachtal

Ein Abwechslungsreiches Juwel im Hinterland

Was den Pfad durch das Martinsbachtal so besonders macht? Ganz klar seine unglaubliche Vielfalt – und das zu absolut jeder Jahreszeit. Frühlingshaft gesäumte Bachufer & blühende Heckenabwechslungsreiche Wiesentypen, verschiedenste Baumarten, moosreiche Hänge bis hin zu einer faszinierenden Pilzvielfalt im Herbst. Dieser Weg überrascht immer wieder aufs Neue.


Um diesen vielseitigen Pfad in einem Seitental von Biedenkopf zu erkunden, bieten sich im Grunde zwei Möglichkeiten. Entweder man beginnt mit dem Heckenpfad (links im Bild) – oder man schließt den Rundgang mit ihm ab. Entscheiden wir uns für Letzteres, starten wir unseren Weg mit dem Baumlehrpfad entlang des Martinsbachs. Beim Tretbecken knicken wir entlang der bewaldeten Hänge ab, bestaunen eine Vielzahl an Moosen und erreichen schließlich das hübsche Wasserrad am Riechbach. Von dort steuern wir in Richtung Wiesen aus dem Wald hinaus und werden mit einer idyllischen Berglandschaft belohnt. Artenreiche Hänge entlang des Weges, unterschiedliche Wiesentypen und scheinbar endlose Hecken aus Schlehdorn, Weißdorn, Rosen und Holunder begleiten uns bis zum Ende des Rundwegs.


Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass es nicht einfach ist, einen solch vielseitigen Weg zu beschreiben. Da ich meine Eindrücke aber unbedingt mit euch teilen möchte – und hoffe, dass sie euch ebenso begeistern wie mich – versuche ich es so übersichtlich wie möglich.

Wir gehen den Weg so, wie ich ihn selbst das erste Mal gegangen bin: beginnend mit dem Baumpfad entlang des Martinsbachs. Bei mir war es April – ein Traum, was Frühblüher, Baumblüten und weiße Blütenträume angeht. Da kann es gut sein, dass der Baumlehrpfad dabei fast etwas untergeht. Auf ihn komme ich später noch einmal zurück.

Bach & Ufer

Im Frühling säumen Scharbockskraut, Busch-Windröschen und frische Wildkräuter wie Giersch, Gundermann und Brennnessel die Bachufer, sowie vereinzelte Schlüsselblumen und Wald-Gelbsterne.

Eine Etage höher öffnen sich zeitgleich die Blattknospen von Erlen und Weiden.

Extra-Tipp - im Januar/Februar kann man hier die Erlenkätzchen sehr gut etwas näher betrachten.

Durchgehend liefert das sprudelnde Wasser des Martinsbachs eine angenehme Atmosphäre.

 

Entlang des Ufers zeigen sich je nach Jahreszeit unterschiedliche Pflanzen – im späteren Frühjahr und Sommer kommen hier unter anderem Mädesüß und Schachtelhalme hinzu.


Im Verlauf der Jahreszeiten


Waldrand & Mooshänge

Nach zweimaligem Überqueren des Martinsbachs biegen wir mit dem Baumpfad am Waldrand entlang ab. Wir passieren blühenden Wald-Sauerklee und Zwiebel-Zahnwurz, die ihre Hauptblütezeit Ende April/Anfang Mai hat. Dazwischen überall kleine keimende „Baby-Bäumchen“. Der Weg schlängelt sich nun ein Stück den Wald empor, gesäumt von einer beeindruckenden Vielfalt an Moosen am Wegesrand. Besonders bei feuchtem Wetter ist dieser Abschnitt ein echtes Highlight. Langsam schieben sich auch die ersten Farnwedel teleskopartig aus dem Boden. Während der Schwarze Holunder mit seiner Blüte noch etwas wartet, hat der Rote Holunder hier bereits Hochsaison. Beide wachsen nebeneinander im Zwielicht des Waldes.

 

Im Frühsommer und Sommer stoßen wir am Wegesrand u.a. auf Fingerhut, Hexenkraut, Wald-Himbeeren, Gr. u. Kleine Springkraut, Wald-Ziest und Wald-Engelwurz.

Dies ist auch der Abschnitt des Weges, der vom Früh bis Spätherbst eine schier unglaubliche Pilzvielfalt beherbergt, von Klassikern wie dem Buchen-Schleimrübling, über DEN Grünspan-Träuschling und Herbst-Lorcheln konnte ich hier bereits so einiges entdecken. Dazu weiter unten mehr.

 

Der Baumlehrpfad sowie verschiedene weitere Informationstafeln zu spannenden Naturthemen führen uns schließlich weiter bis zum Wasserrad.


Das Wasserrad am Riechbach

Das nächste Highlight ist das Wasserrad selbst, das an einer Wegkreuzung steht – in Gesellschaft eines mächtigen, zweistämmigen Berg-Ahorns. Einer meiner persönlichen Favoriten. Besonders seine wunderschöne Rinde lohnt einen genaueren Blick.
Am Rand des Riechbachs wachsen hier Sauerklee, Waldmeister, Aronstab und Veilchen. Zudem finden sich an diesem Standort heimische Orchideen – nach meiner Bestimmung handelt es sich um Manns-Knabenkräuter. Mit etwas Glück begegnet man auch kleinen Erdkröten.

 


- ACHTUNG! Unsere heimischen Orchideen sind streng geschützt - umso wichtiger ist ein respektvoller Umgang mit diesem besonderen Ort. -

Im Verlauf der Jahreszeiten


Wiesen, Hecken & offene Landschaft

So spannend und schön der Wald auch ist, kann ich es kaum erwarten, mich auf den nächsten Abschnitt des Pfades zu begeben: Ein Weg, links und rechts umgeben von Fett- und Magerwiesen, gesäumt von üppigen Hecken aus Schlehen, Wildrosen, Weißdorn und Holunder. Sie blühen nacheinander, allen voran die Schlehe, die gemeinsam mit der Wildkirsche einen Traum in Weiß darbietet.

Wegesrand & Unterwuchs

Entlang der Wiesen und Hänge entfaltet sich eine eigene beeindruckende Pflanzenvielfalt - ein Übergangsraum. Dazu zählen unter anderem  Aronstab, gamander-Ehrenpreis und Feldsalat, Erdbeer- und Frühlings-Fingerkraut, Gundermann, Acker-Hornkraut, Knoblauchsrauke, Reiherschnäbel, Kleiner Sauerampfer, Acker-Schmalwand, Knöllchen-Steinbrech, Acker-Stiefmütterchen, Sternmieren, verschiedene Storchschnäbel, Veilchen, Vergissmeinnicht, Taubnesseln und Thymian.

 

Gerade in diesem schmalen Bereich entlang des Weges zeigt sich, wie vielschichtig selbst kleinste Flächen sein können. Die Pflanzen treten hier nicht gleichmäßig auf, sondern bilden immer wieder kleine Gruppen und Kombinationen. Auf wenigen Metern wechseln sich unterschiedliche Arten ab, mischen sich neu oder treten plötzlich zurück, um anderen Platz zu machen.

 

So entstehen entlang des Weges immer wieder neue, kleinräumige Bilder: mal dominieren wenige Arten gemeinsam, ein paar Schritte weiter verändert sich die Zusammensetzung erneut. Diese feinen Übergänge lassen sich nur entdecken, wenn man langsam unterwegs ist und den Blick auch auf das richtet, was oft übersehen wird. Gerade darin liegt für mich ein besonderer Reiz dieses Wegabschnitts.

 



Wiesentypen

Die Wiesen entlang dieses Weges sind sehr verschieden. Schon im Frühling zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Flächen, die sich im Laufe des Jahres noch weiter ausdifferenzieren.

 

Auf den etwas feuchteren, nährstoffreicheren Wiesen prägt im Frühling vor allem das Wiesenschaumkraut das Bild. Es tritt hier teils flächig auf und verleiht diesen Bereichen eine helle, fast einheitliche Anmutung. Ihm folgen goldgelber Löwenzahn und Hahnenfuß.

 

Ganz anders präsentieren sich die mageren Wiesenbereiche. Hier dominieren niedrig wachsende, oft unscheinbare Arten, die erst bei genauerem Hinsehen ihre Vielfalt zeigen. Dazu zählen unter anderem Frühlings-Fingerkraut, Reiherschnabel, Acker-Hornkraut, Knöllchen-Steinbrech, Acker-Stiefmütterchen, Kleiner Sauerampfer und Thymian.

Im Verlauf der Jahreszeiten

Im Frühsommer und Sommer dominieren Wiesen-Margeriten, Flockenblumen, Schafgarben, Glockenblumen, Johanniskraut, Hornklee, Platterbsen und Wicken, Labkräuter, Ochsenzungen, Witwenblumen und gehen mit einer schier unglaublichen Insektenvielfalt einher;

Im Herbst zieren nebst ausdauernden Flockenblumen, Schafgarben und Rainfarn, Herbst-Zeitlose die Wiesen.


Hecken

Die Hecken begleiten diesen Wegabschnitt fast durchgehend und geben ihm Struktur. Sie rahmen die Wiesen, gliedern die Landschaft und verbinden die unterschiedlichen Lebensräume miteinander. Schlehe, Weißdorn, Wildrosen und Holunder prägen ihr Bild – je nach Jahreszeit mit Blüten, Früchten oder einer klaren, grafischen Struktur im Winter.

 

Gerade in ihrem Unterwuchs und an den Übergängen zum Weg entfalten die Hecken eine erstaunliche Vielfalt. Sie bieten Schutz, Nahrung und Rückzugsräume für unzählige Pflanzen und Tiere und sind damit weit mehr als nur Begrenzung: Sie sind eigenständige Lebensräume, die den Charakter dieses Pfades maßgeblich mitbestimmen.

 

Wer sich intensiver mit der Geschichte, Bedeutung und den einzelnen Bestandteilen der Heckenlandschaft beschäftigen möchte, findet dazu auf einer eigenen Seite weitere Informationen.

Im Winter, wenn die Sträucher unbelaubt sind, fällt hier die Menge an Flechten erst so richtig auf. Schmetterlingseier von zum Beispiel dem Nierenfleck-Zipfelfalter, die gerne ihre Eier an Schlehenknospen ablegen, sollen im Winter leichter zu finden sein. Aufgrund der Flechtendichte hier, hatte ich jedoch noch kein Glück.


Im Verlauf der Jahreszeiten


Baumlehrpfad

Eine Allee aus Birken, Rosskastanien, Tulpenbäumen (Liriodendron tulpifera), Berg-Ahorn und Spitz-Ahorn, großen Vogelkirschen, Weiden und Erlen entlang des Martinsbaches eröffnet den Baumlehrpfad. Schwarz, Zitter- und Silberpappeln gesellen sich zwischendurch hinzu.

 

Der Baumpfad begleitet uns nicht nur zu Beginn des Weges, sondern zieht sich wie ein roter Faden durch verschiedene Abschnitte des Martinsbachtals. Entlang des Bachs, an den moosreichen Hängen - mit Nadelbäumen wie Douglasie, Serbische Fichte und Weymouth-Kiefer - bis in die Übergänge zur offenen Landschaft lassen sich hier unterschiedlichste Baumarten entdecken – manche auffällig, andere eher im Hintergrund.


Tierwelt im Martinsbachtal

Je vielfältiger die Lebensräume, desto lebendiger wirkt der Weg – und genau das spürt man im Martinsbachtal schnell. Bachufer, Waldrand, moosige Hänge, Wiesen und Hecken liegen so nah beieinander, dass sich ständig etwas verändert – und damit auch das, was dort lebt.
Besonders im Frühling und Sommer ist entlang der Wiesen- und Heckenabschnitte eine große Fülle an Insekten unterwegs: an Blüten, im hohen Gras, am Wegesrand und im Unterwuchs. Wer langsam geht und genau hinschaut, entdeckt hier oft mehr, als man auf den ersten Blick vermutet.
Aber auch abseits davon lohnt sich Aufmerksamkeit: Am Wasser trifft man mit etwas Glück auf kleine oder große Erdkröten, und aus den Hecken und Waldrändern hört man je nach Jahreszeit ganz unterschiedliche Vogelstimmen. Für mich ist genau dieses Zusammenspiel das Besondere – man läuft nicht einfach „durch“, sondern durch mehrere kleine Welten nebeneinander.

 

Pilze


Viola's Ruh & Bärlapp-Hänge

Als eigentlich einer meiner ersten magisch empfundenen Orte in Marburg, komme ich jetzt erst dazu, ihn auf meine Website zu bringen. Wie es eben die Zeit erlaubt. Da dieser Ort – bzw. mehr noch ein ganzer „Magischer Pfad“ so umfangreich, vielseitig und besonders ist, wollte ich mir dafür aber auch viel Zeit nehmen.




Vorschau des Wegstücks weiter oben an den Berghängen
Vorschau des Wegstücks weiter oben an den Berghängen

Wo soll ich nun anfangen? Am besten dort, wo ich auch immer losgehe. Am Ende der Dürerstraße, am Ortenberg beginnt ein kleines Netzwerk an Pfaden. Da die Wege immer wieder in verschiedene Richtungen abzweigen, werde ich dieses Mal meinen Weg in der Karte genau markieren, damit ihr auch keines der zahlreichen Wunder am Wegesrand verpasst. Ein Teil führt noch auf dem vom ehem. Marburger Verschönerungsverein ausgewiesenen „A5“ entlang der Hänge des gleichnamigen Ortenbergs und des Klambergs in großläufigen Serpentinen.

 

Unterwegs werden wir fast ausnahmslos von dem Element Wasser begleitet, dass entweder entlang des Weges in kleinen Bächen plätschert, uns eine Möglichkeit der Erfrischung und Nachfüllen unserer Trinkflaschen bei Violas Ruh‘ bietet, oder immer wieder unseren Weg kreuzt, wenn es an verschiedenen Stellen von den Lahnbergen hinab ins Tal möchte.

Rippenfarn an einem der Bachläufe
Rippenfarn an einem der Bachläufe

Eine der vielen alten Birken zu Beginn des Weges
Eine der vielen alten Birken zu Beginn des Weges
Baum-Liebhaber kommen hier auch auf ihre Kosten. Der Weg beginnt gleich mit einigen alten Birken, die an Ästhetik im Alter nur noch zunehmen, denn die Rinde bricht immer mehr auf und lässt ein kleines Mosaik entstehen. Die oberhalb immer noch weißen Stämme, ragen elegant in den Himmel. Ein besonders schönes altes Birken-Pärchen hat leider einen der Stürme im letzten Jahr nicht überstanden. Der ein oder andere, mag es noch in Erinnerung haben.
Der Anfang des Weges ist besonders im Frühling sehr schön, da die Birke für den Beginn des Frühlingsanfang symbolhaft steht, und uns nachfolgend an vielen Stellen kleine Frühblüher wie Scharbockskraut, Wald-Sauerklee, später dann sich öffnende Farne und nebenbei das sanfte Plätschern der Bäche begegnen.
Alte Eiche an einer Weggabelung
Alte Eiche an einer Weggabelung

Zurück zu den Bäumen – nach den Birken und einigen Metern später, überrascht uns gleich eine riesige alte Eiche. Warum jene noch nicht als Naturdenkmal ausgezeichnet wurde, ist mir ein Rätsel. Man kann nicht anders, als ehrfurchtsvoll unter ihr stehen zu bleiben und aufzuschauen. Besonders schön macht sich das gedämpfte Sonnenlicht, das zwischen den Blätterkronen der anderen Bäume auf sie trifft und ihren Stamm umspielt. Eine andere sehr hohe Eiche treffen wir später noch. Generell ist dieser Pfad reich an Baumpaaren, alten, knorrigen oder bizarren Baumformationen, an denen seit vielen, vielen Jahren schon einige Spaziergänger vorbeigekommen sind.



Im weiteren Verlauf erstreckt sich zu unserer Linken ein kleines Sumpfgebiet mit Farnen, Schachtelhalmen und Gräsern. Zur Rechten werden sich vor allem die Kleinsten über das „Baum-Wildschwein“ freuen.  Aber auch die Wurzel der eindrucksvollen alten Buche kann sich sehen lassen. Hier wächst zusätzlich noch ein Wurmfarn am Eingang der vielen "Höhlen", wie als wolle er zeigen, dass hier ein Eingang ist. Denn Farne, so sagt man symbolisierten den Eingang zur Elfenwelt.


Weiter nun mit Bachläufen zu beiden Seiten, links der Bach verläuft etwas weiter entfernt durch das Sumpfgebiet, aber der Rechte ist immer an unserer Seite. lassen wir linksseitig den "Tümpelgarten" des Marburger Aquarien- und Terrarienvereins hinter uns, während wir rechts praktisch einen dauerhaften Ausblick in die steilen kathedrahlenartigen Baumhallen des Buchenwaldes genießen können. Dazwischen fließt immer wieder ein weiterer kleiner Bach von den Hängen in den bestehenden hinein.


Den Bach zu unserer Linken werden wir nach und nach aus den Augen verlieren, denn er verläuft wohl einige Zeit unterirdisch.

 

Rechts jedoch plätschert er unentwegt, mal direkt am Weg, mal etwas weiter abseits, verwunschen unter Bäumen, von Lebermoosen, Farnen, Wald-Sauerklee umgeben. Je nach Jahreszeit kommt die ein oder andere Libelle vorbei.



Unter dem Holunderstrauch

Dort begegnet uns auch ein großer, moosbewachsener Holunderstrauch, der nicht nur zur Blütezeit eindrucksvoll ist. Markant leuchtend erwartet er uns am Wegesrand und lädt ein, unter ihm zu verweilen und den Blick auf seine Füße zu richten. Dort ist nahezu jedes Fleckchen - Boden, Baumstümpfe, Totholz - von Sauerklee und verschiedenen Moosen bedeckt. Dazu das sanfte Plätschern des Baches - himmlisch.



Quelle - "Viola's Ruh"

Kurz danach erreichen wir linksseitig die in eine Mauer eingebundene Quelle der "Viola's Ruh'".

Sie wurde 1884 wohl in Gedenken an die Frau eines Jägers angelegt, und spendet seither durstigen Wanderern auf dem Weg zum Spiegelslustturm eine willkommene Erfrischung.

 

Die Natur hat sich die angelegte Mauer schon zurückerobert und Wald-Erdbeeren, Löwenzahn, Farne & Moose sorgen für zusätzliche Dekoration.
Sie wird auch gerne vom Kaisermantel besucht, der feuchte, blütenreiche Waldlichtungen liebt.


"Felsschrein | Magische Felsgruppe | Zauberhügel"

Direkt nach der Quelle nehmen wir den nach rechts abzweigenden Pfad. Dort muss man eigentlich gleich wieder stehen bleiben und verweilen. Denn hier, an diesem vorerst unscheinbar wirkenden Ort, herrscht eine unvorstellbare Artenvielfalt oder besser gesagt eine Fels-Pflanzen-Gesellschaft, die eine der Haupt-Besonderheiten dieses Pfades für mich ausmacht. Auf wenigen Quadratmetern und eigentlich an einem Hang wie jedem anderen auch, wo ein wenig Wasser austritt, finden wir alle paar Zentimeter etwas Neues. Zwischen locker übereinander liegenden Sandsteinen, haben sich unter deren Vorsprüngen im feuchten Nass, Lebermoose angesiedelt, am Fuße, dort wo sich das Wasser sammelt, Torfmoos. Viele weitere Moose überall dazwischen, sowie Rippenfarne, Wald-Frauenfarn und Adlerfarn überragt den ganzen Komplex darüber. Wurzeln halten einen einzelnen Erdklumpen, auf dem wir Becherflechten und Moose finden, in der Luft. Wie eine eigene kleine Welt, hängt dieser Klumpen nun schon mehrere Jahre an Ort und Stelle. Auch Heidelbeeren und Heidekraut wachsen inmitten dieser Urpflanzen-Fülle. 

Natürlich verändert sich dieser Ort im Wandel der Jahreszeiten. Im Winter ist er meist nasser und die meisten Farne sind abgestorben,

dafür leuchten die Moose umso mehr. Im Sommer gesellen sich noch Gräser dazu.

Für mich ist es ein ganz besonderer Ort, den ich stundenlang betrachten könnte, denn er ist immer in Bewegung

und immer findet man etwa Neues, was man die Male vorher nicht gesehen hat.


Bärlapp - "Hexenmehl"

Botanisch: Lycopodiaceae

 

Wenn wir uns satt gesehen haben, können wir uns für einen kurzen Moment einem Blühstreifen am Wegesrand widmen. Da dieser aber saisonal recht unterschiedlich besiedelt ist, gibt es dazu unten mehr unter dem Punkt "Saisonale Besonderheiten".  
Einige wenige Meter nach dem "Felsschrein" finden wir auf der Hangseite eine weitere Gattung der Urpflanzen - den sagenumwobenen Bärlapp. Hier handelt es sich um den Keulenbärlapp bzw. Kolben-Bärlapp  oder auch  "Schlangenmoos", "Johannigürtel", "Blitzmoos", "Wolfsranke", sowie unter vielen weiteren Namen bekannt, was auf seine überaus magische und mystische Vergangenheit hindeutet.

 

Einst bildeten die Bärlappe bis zu 40m hohe Bäume. Sie erinnern zwar eher an Moose, sind aber verwandte der Farne. Ihre Sprossen kriechen den Boden entlang und bilden ca. 30cm hohe Ästchen mit nadelförmigen, kleinen Blätter. Im Herbst verteilen sie ihr Sporenpulver, das auch "Hexenmehl", "Feenstaub" oder "Drudenmehl" genannt wird. Eine ausreichende Menge davon erzeugt eine Feuerexplosion, was auch gerne in Theateraufführungen genutzt wurde. Das Pulver wird auch heute noch in Wundpudern verwendet.

 

Im Mittelalter wurde er oft in der Heilkunde angewendet. Aufgrund seiner Giftigkeit wird von einer Selbstmedikation heute allerdings abgeraten!

 

Die Entwicklung der Bärlappe nimmt viel Zeit in Anspruch, was dazu führt, dass sie sehr bedroht sind und sie somit schützenswert macht.



Saisonale Besonderheiten

Da die Birke symbolhaft für den Beginn des Frühlingsanfang steht, und uns gleich zu Beginn an vielen Stellen kleine Frühblüher wie Scharbockskraut, Wald-Sauerklee, später dann sich öffnende Farne und nebenbei das fröhliche, frühlingshafte Plätschern der Bäche begegnen, passt dieser Weg besonders gut in den Frühling.

Wenn im April die Buchen langsam ihre hellgrünes Laub explodieren lassen, macht der Wald hier rund um den schönen Pfad die größte, offensichtliche Veränderung durch. Dann werden wir von unten und oben hellgrün angeleuchtet.

Strickt nach Jahreszeiten lässt der Pfad sich eigentlich nicht trennen, denn die Natur wandelt sich ständig. Alle zwei Wochen sieht es gleich schon wieder anders aus. Fast täglich verblühen manche Pflanzen, und Neue gehen auf. Doch einige existieren auch eine Zeitlang parallel, was das schöne sommerliche Bild des Wald- und Wegesrandes prägen kann. Im Frühsommer - also im Juni spielt der Fingerhut eine große Rolle, dazu blühen zeitgleich Brombeeren, Kratzbeeren und Heidelbeeren, der Kriechende Günsel, der Schwarze Holunder und viele mehr.

Im Sommer sind das hier besonders Waldgräser, Salbei-Gamander, Johanniskraut, Odermennig, Waldziest, Disteln und Glockenblumen. In schattigen Bereichen umschmeicheln die winzigen, weißen Blütenkerzen des Hexenkrauts den Waldrand. An feuchten Stellen dann noch Wasserdost, Baldrian & Gilbweiderich, sowie eher niedrig wachsende Pflanzen wie die Kleine Braunelle oder das Sumpf-Helmkraut fühlen sich hier ebenso wohl. Hinzu kommen die zahlreichen Schmetterlinge und Libellen, die sich über das Nahrungsangebot und die vielen Bäche und Wasserstellen hier freuen. Abschnittsweise wimmelt es hier nur so vor Libellen und Schmetterlingen. Viele Bereiche der Hänge sind zudem von Wald-Heidelbeeren und Heidekraut besiedelt. Im Juli & August kann man hier also auch noch hervorragend Heidelbeeren ernten.


Schmetterlinge, Raupen & Libellen

Die vielseitige Natur am Wegesrand an unterschiedlichen Standorten  -  schattige oder besonnte Waldränder, trockene Hänge, feuchte Gräben, abwechslungsreiche Pflanzengesellschaften und verschiedene Waldtypen, bilden hier viele Lebensräume für Schmetterlinge. Nahrungspflanzen für Schmetterlingsraupen wie hier dem Lattich-Mönch und dem Braunwurz-Mönch, Wasserstellen zum trinken oder Plätze zum sonnen und beobachten.

Auch Libellen halten sich gerne an kleineren, schnell fließenden Gewässern auf.



Abstecher zum Spiegelslustturm

Wer noch nicht mit eindrücken überladen ist, kann anstatt einen der verschiedenen Wege nach unten zu nehmen, dem Pfad einfach weiter folgen, um zum Spiegelslustturm zu gelangen. er teilt sich dann - weiter um den Berg rum, geradeaus hinunter oder rechts herum runter, scharf abknicken, dieser führt dann ähnlich wie der von dem wir gerade kommen am Berg entlang, nur eine Etage tiefer und kommt ungefähr bei dem Tümpelgarten wieder auf den Anfangsweg. Verlaufen kann man sich hier eigentlich nicht.

Der Spiegelslustturm (Kaiser-Wilhelm-Turm) ist ein 1890 errichteter Aussichtsturm mit traumhaftem Blick über Marburg.



Kommentare: 10
  • #10

    Familiennamen konrad Gillißen (Mittwoch, 10 September 2025 06:44)

    ich mag diese Riesigen Bäume, energetische kraftplätze ,

    FG
    konrad der mensch.

  • #9

    Anja Michel (Sonntag, 04 August 2024 21:55)

    Findet der mittelaltermarkt am 7./8.9. in Marburg dieses Jahr statt?
    Ich habe im Internet widersprüchliche Informationen gefunden.
    Viele Grüße, Anja

  • #8

    Anise (Freitag, 23 Februar 2024 21:52)

    Wow, breathtaking vibes and Spots Full of Energy.
    Keep up with the good work..
    See you soon


  • #7

    Victoria lavinn (Mittwoch, 06 Dezember 2023 18:07)

    This page is just wonderful! So much worth,time and love put together. The products, Juwelier,the recipe’s, all together combined in such beautiful place. Marburg ❤️

  • #6

    Andreas Matusch, Marbach (Montag, 26 Dezember 2022 18:34)

    Glückwunsch zu dieser Sammlung dramatisch schöner Fotos unserer Dramatisch schönen Märchenlandschaft direkt vor der Haustüre in Preisverdächtiger Webseitengestaltung. Diese Natur- und Kulturschätze, die Fülle des Lebens darin gilt es zu erhalten und zu verteidigen. Dafür kämpfen viele andere seit Jahrzehnten, ich seit nunmehr 13 Jahren mit zunehmend professioneller Bauverhinderung. Ihre Bilder zeigen - es Lohnt sich, es war richtig so.

  • #5

    VIBE (Montag, 28 November 2022 11:39)

    die Bestellung hat super schnell und reibungslos geklappt !

  • #4

    Sina (Dienstag, 08 November 2022 14:38)

    Wow!!!
    Das ist so eine tolle Homepage und lässt Marburg in ganz neuen Farben erstrahlen!
    Ich freue mich schon auf den Schmuck! :-)
    Viele liebe Grüße

  • #3

    Inari (Donnerstag, 08 September 2022 15:42)

    danke für die kurzweil, dabei länger Geblieben als gedacht. !
    Jetzt auch wieder auf dem weg.

  • #2

    Heimdall (Mittwoch, 27 April 2022 21:28)

    danke für den magischen Austausch.

  • #1

    Hekate (Mittwoch, 27 April 2022 12:39)

    Auf der durchreise Rast bei dir gemacht.